Kinderwunsch und männliche Fruchtbarkeit (Fertilität)
Spermienqualität verstehen und möglichen Ursachen auf den Grund gehen
Die Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit ist ein wichtiger Teil der Kinderwunschdiagnostik. Das Spermiogramm bildet die Grundlage und gibt erste Hinweise auf Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien.
Doch nicht alle Faktoren, die für eine Befruchtung eine Rolle spielen, lassen sich damit beurteilen. Bleibt der Kinderwunsch trotz unauffälligem Spermiogramm unerfüllt, kommt es wiederholt zu Fehlgeburten oder waren bisherige Kinderwunschbehandlungen nicht erfolgreich, können weiterführende Untersuchungen sinnvoll sein. Sie geben beispielsweise Aufschluss über die Qualität der Spermien-DNA oder die Reife der Spermien und helfen uns, die nächsten diagnostischen und therapeutischen Schritte gezielter zu planen.
Welche Untersuchungen führen wir durch?
Spermiogramm nach WHO
Das Spermiogramm ist die Basisuntersuchung zur Beurteilung der männlichen Fruchtbarkeit. Untersucht werden nach WHO-Richtlinien unter anderem Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien sowie das Ejakulatvolumen.
Vor der Probenabgabe sollten zwei bis sieben Tage sexuelle Enthaltsamkeit eingehalten werden. Da die Spermienqualität natürlichen Schwankungen unterliegt, kann bei auffälligen Werten eine Wiederholung sinnvoll sein.
DNA-Fragmentationstest
Neben Anzahl, Beweglichkeit und Form spielt auch die Qualität der Spermien-DNA eine wichtige Rolle. Ist die DNA stärker fragmentiert, kann dies die Befruchtung und die Entwicklung des Embryos beeinträchtigen. Der Test bestimmt den Anteil der Spermien mit geschädigter DNA und liefert damit zusätzliche Informationen, die ein klassisches Spermiogramm nicht erfasst.
HBA-Test (Hyaluronan-Bindungstest)
Der HBA-Test untersucht, wie gut Spermien an Hyaluronsäure (Hyaluronan) binden können – eine Substanz, die natürlicherweise die Eizelle umgibt. Die Bindungsfähigkeit gibt Hinweise auf die Reife und funktionelle Qualität der Spermien und steht unter anderem mit ihrer Beweglichkeit und der Integrität der DNA in Zusammenhang.
Vitalitätstest
Bestimmt den Anteil lebender Spermien und kann das Spermiogramm insbesondere bei eingeschränkter Beweglichkeit ergänzen.
Nachweis von Entzündungen oder Infektionen
Bei Bedarf untersuchen wir das Ejakulat auf Entzündungszellen oder Krankheitserreger, die die Spermienqualität beeinträchtigen können.
Hormonuntersuchung
Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob hormonelle Veränderungen die Spermienproduktion beeinflussen.
Genetische Diagnostik
Bei einer stark reduzierten Spermienzahl oder dem Fehlen von Spermien (Azoospermie) klären wir chromosomale Ursachen ab.
Andrologische Untersuchung
Eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls ein Ultraschall der Hoden können Veränderungen wie eine Varikozele (Krampfader am Hoden) oder andere Auffälligkeiten sichtbar machen.
Nicht jede Untersuchung ist bei jedem Mann sinnvoll. Welche Untersuchungen wir empfehlen, hängt vom Spermiogrammbefund, Ihrer Vorgeschichte und dem bisherigen Verlauf der Kinderwunschbehandlung ab.
Spermienaufbereitung im Labor – ZyMot ® und PICSI®
Für eine Kinderwunschbehandlung können Spermien im Labor gezielt aufbereitet und ausgewählt werden. Welche Methode infrage kommt, hängt vom Spermiogramm, weiteren Befunden und der geplanten Behandlung ab.
ZyMot® – Schonende Auswahl ohne Zentrifugation
Bei ZyMot® bewegen sich die Spermien aus eigener Kraft durch eine spezielle Membran. So werden vor allem gut bewegliche Spermien ausgewählt, ohne die bei klassischen Aufbereitungsverfahren übliche Zentrifugation.
Das Verfahren kann dazu beitragen, Spermien mit guter Beweglichkeit und geringerer DNA-Fragmentation für die weitere Behandlung zu gewinnen. ZyMot® kann beispielsweise bei erhöhter DNA-Fragmentation oder eingeschränkter Spermienqualität eingesetzt werden.
PICSI® – Gezielte Spermienauswahl für die ICSI
Bei einer ICSI wird ein einzelnes Spermium ausgewählt und direkt in die Eizelle eingebracht. PICSI® ergänzt diese Auswahl um ein weiteres Kriterium: die Fähigkeit des Spermiums, sich an Hyaluronsäure zu binden. Das ist eine Eigenschaft, die mit seiner Reife zusammenhängt.
Für die ICSI können so gezielt reife, bindungsfähige Spermien ausgewählt werden. PICSI® kann unter anderem bei bestimmten auffälligen Befunden oder nach vorausgegangenen erfolglosen Behandlungen in Betracht kommen.
Häufige Fragen
Diese Fragen stellen uns Patienten und Paare, bevor sie zur Spermiogramm-Abgabe oder zum andrologischen Beratungsgespräch kommen.
Die Probe wird durch Masturbation in ein steriles Gefäß gewonnen, bei uns in der Praxis in einem separaten Raum. Wichtig ist eine Enthaltsamkeitsdauer von 2 bis 7 Tagen davor. Wir analysieren die Probe innerhalb einer Stunde nach Abgabe. Das ist medizinisch notwendig, weil sich die Spermienqualität schnell verändert. Das Ergebnis besprechen wir direkt im Anschluss oder in einem separaten Termin.
Das Spermiogramm bewertet Anzahl, Beweglichkeit und Form. Es sagt nichts darüber aus, ob die DNA der Spermien intakt ist. Studien zeigen: Bei 8 bis 15 % der Männer mit normalem Spermiogramm ist die DNA-Fragmentation erhöht. Das erklärt, warum manche Paare trotz gutem Befund nicht schwanger werden oder wiederholte Fehlgeburten erleiden. Der DNA-Fragmentationstest bedeutet einen zusätzlichen diagnostischen Schritt, liefert aber oft die fehlende Erklärung.
Oft ja. Spermien reifen rund 70 bis 90 Tage, bevor sie ejakuliert werden. Was in diesem Zeitraum passiert, beeinflusst die Qualität direkt. Rauchen, Alkohol, starke Hitze am Hoden (Sauna, enge Kleidung), chronischer Schlafmangel und bestimmte Medikamente senken die Qualität nachweisbar. Eine Varikozele kann, wenn sie behandelt wird, bei vielen Männern Konzentration und Motilität innerhalb von 3 bis 6 Monaten verbessern.
Azoospermie bedeutet, dass im Ejakulat keine Spermien nachweisbar sind. Das kann zwei verschiedene Ursachen haben: Entweder werden keine Spermien produziert (nicht-obstruktiv) oder der Abfluss ist blockiert (obstruktiv). Bei obstruktiver Azoospermie, zum Beispiel nach einer Vasektomie oder bei angeborenem Fehlen der Samenleiter, können Spermien direkt aus dem Hoden oder Nebenhoden entnommen und für eine ICSI genutzt werden. Bei nicht-obstruktiver Azoospermie hängt alles von der Ursache ab. Genetische Diagnostik und eine Hormonuntersuchung sind der erste Schritt.
Nein. Die Spermiogramm-Abgabe und viele Diagnostiktermine kann der Mann alleine wahrnehmen. Beim Erstberatungsgespräch sind oft beide Partner dabei, weil wir die Befunde beider Seiten gemeinsam besprechen. Das spart Termine und ermöglicht eine gemeinsame Planung. Was passt, besprechen wir bei der Terminvereinbarung.
Wir rechnen privatärztlich nach GOÄ ab. Die genauen Kosten teilen wir Ihnen vorab mit. Privatversicherte reichen die Rechnung bei ihrer Kasse ein. Gesetzlich Versicherte zahlen selbst. Manche Kassen erstatten Teile der Kinderwunschdiagnostik, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Fragen Sie vorab bei Ihrer Kasse nach.
Gemeinsam klären,
was für Sie sinnvoll ist
Wir beraten Sie persönlich zu den möglichen Untersuchungen und dazu, welche Form der Spermienauswahl für Ihre Kinderwunschbehandlung infrage kommt.
Gerne lernen Sie uns und unsere Praxis auch bei einem unserer Infoabende unverbindlich kennen.
